Dezember 9th, 2010
Baikalsee – Natur pur und die Faszination Sibiriens
Geographische Fakten und die Lage
Der Baikalsee liegt in Sibirien und gehört zu Russland. Er ist mit seinen knapp 31.500 km² das größte und zugleich tiefste Binnenmeer der Welt mit Süßwasser und der älteste See der Welt, entstanden vor 25 Millionen Jahren. 1.642 m tief und nur 455 m über dem Meeresspiegel gelegen, gehört er zu den geographischen Schätzen des UNESCO Weltnaturerbes. Er liegt mitten in den südsibirischen Gebirgszügen zwischen Oblast Irkutsk im Westen und Norden und Burjatien im Süden und Osten. Das Baikalgebirge zieht sich am Nordwestufer entlang, während der Süden und Südwesten von den Bergketten Chamar Daban und Sajan flankiert wird. Im Osten beginnt das Ulan Burgassy Gebirge. Bewohnt ist vor allem das Stowoihochland im Nordosten. 2.125 km Uferstreifen umspannen den Baikal, der zwischen 48 km und an seiner größten Ausdehnung 82 km breit ist. 22 größere Inseln, von denen die Uschkani genau im Zentrum liegen und einige Eilande am Rand sowie Halbinseln wie Swjatoi Nos, die heilige Nase, im Osten bevölkern den See. Die Berge darauf oder Felsen aus dem Wasser erreichen eine Höhe von bis zu 1.636 m.
Klimatische und erdgeschichtliche Besonderheiten des Baikalsees
Der Baikal liegt im Grünen, denn ringsherum herrscht ein mildes, kontinentales Nadelwaldklima mit bis zu 2.000 Sonnenstunden im Jahr. Der Dezember ist der dunkelste Monat des Jahres, während der Juni die meiste Sonne und sommerliche Temperaturen von bis zu 20° hat. Der Monat Juli ist erstaunlich regenreich, doch im September beginnt schon wieder die Frostperiode, die sich über 6 Monate hinzieht und von November bis März mit – 20° dem sibirischen Winter Ehre macht. In den Bergen kann es je nach Höhenlage auch bis zu – 50 ° werden. Nachtfrost kann auch im sibirischen Sommer noch vorkommen. Frühling und Herbst sind am Baikal extrem kurze Perioden. Der Baikal birgt den größten Süßwasserspeicher der Welt, ein Volumen von 23.000 km³, mehr als das der vier größten nordamerikanischen Seen zusammen und das ist 480mal soviel wie der Bodensee in Deutschland. Das Einzugsgebiet mit den über 330 Zuflüssen zum Baikal, von denen die Angara, die Selenga und der Bargusin die größten sind, dehnt sich auf einer Fläche viermal so groß wie ganz Deutschland aus. Die Angara ist der einzige Abfluß des Sees und würde 400 Jahre benötigen, um den Wasservorrat des Baikal komplett zu leeren. Durch die Auffaltung des Baikalgebirges und ein Erdbeben vor 16.000 Jahren wurden weitere südliche Abflüsse verschlossen. Das Baikalrift ist ein tiefer Graben in der Erdkruste vertieft sich um 2 cm pro Jahr, da hier die eurasische und die amurische Kontinentalplatte auseinandergetrieben werden von der Platte des indischen Ozeans, die sich wie ein Keil weiter nach Norden schiebt. Der schwächste Teil des Rifts, ein Riß von 1.600 km Länge, liegt mitten im Baikalsee und ist mit Sedimenten angefüllt. Die tiefste Kryptodepression der Erde mit 1.161 m unter dem Meeresspiegel liegt mitten im Baikal. Zahlreiche Thermalquellen ringsherum zeugen von vulkanischer Aktivität aus dem Erdinneren und einer durchbrochenen Erdkruste.
Industrielle Erschließung des Gebietes rund um den Baikal
Seit dem 2. Weltkrieg ist die Umgebung des Baikal durch die Transsibirische Eisenbahn an den Rest der Welt angeschlossen. Papier- und Kartonagenindustrie und fortschreitende wirtschaftliche Erschließung förderte die Städtebildung an den Ufern. Besonders Baikalsk und Selenginsk haben sich zu Metropolen entwickelt. Leider werden die Abwässer ungefiltert in den See geführt und führen dadurch zu einer starken Umweltbelastung dieser Gegend. Die Modernisierung des Zellstoffwerkes in Baikalsk scheiterte und die Weltbank forderte den Kredit von über 20 Millionen wieder zurück. Ministerpräsident Putin sprach sich gegen die Schließung aus. So wird den Sünden gegen die Natur mit Kahlschlag der umliegenden Wälder und Verseuchung der Umwelt immer noch kein Einhalt geboten. Reiche Russen besiedeln mit Datschas die Ufer ungehindert von den Naturschutzgesetzen.
Landschaftliche und touristische Attraktionen des Baikalgebietes: Kreuzfahrt, Trekking, Kajak oder Hundeschlittentour
Das Baikal Naturreservat im Norden, das Lena Naturreservat im Westen, das Bargusin Naturreservat im Osten und der Transbaikal Nationalpark, sowie der am Südende angrenzende Cisbaikal Nationalpark dienen dem Schutz der einheimischen Landschaft und der Tiere. Der Küstenstreifen wurde insgesamt zur Schutzzone erklärt.
Eine Kreuzfahrt auf der Lena, einem der zehn längsten Flüsse der Erde, der in der Nähe des Baikalsees entspringt, führt den Kreuzfahrer in eine naturbelassene Landschaft Sibiriens, wo es weder Wasserkraftwerke noch Stauseen und viel unberührte Natur gibt. Die Michail Svetlov ist ein komfortabler Kreuzer der den Polarkreis überquert und den Reisenden einmalige Erlebnisse von Naturschönheiten und zahlreichen Wildtierarten bietet. In Jakutsk wird vor der Einschiffung noch das Mammutmuseum besichtigt und ein Rundgang durch die Stadt auf dem Perma-Frostboden gemacht, bevor die Schiffstour mit einem jakutischen Folkloreabend beginnt. An den bewaldeten Ufern sind Lemming, Polarfuchs, Rentier, Eisbär und Walross zuhause.
Im März können sportliche Urlauber in Kleingruppen auf dem Baikalsee an einer 130 km lange Trekkingtour auf Schlittschuhen und mit Schlitten über den zugefrorenen Baikalsee teilnehmen. Märchenhafte Frostkunstwerke und absolute Stille gehören dazu. Übernachtet wird in Blockhäusern, die Abende sind mit Banja-Besuchen, der sibirischen Sauna ausgefüllt, dabei gibt es auch genug Kontakt mit Einheimischen und Kulturaustausch. Im Städtchen Listwjanka wird dann das Baikal Museum besucht und eine Tour mit dem Hundeschlitten oder einem Schneefahrzeug unternommen. Gewandert wird teilweise entlang einer Strecke der Transsibirischen Eisenbahn, wo auch noch kulturelle Denkmäler zu besichtigen sind.
In den Monaten Juli August wird eine Kajaktour südlich der Insel Olchon angeboten. Von dort rudert man auf das Kleine Meer „Maloje More“ zwischen der Insel und dem Festland. In 7 Tagen paddelt man 100 km in Richtung Norden und kommt dann in Usury an, wo der eifrige Kanufahrer dann noch ein paar Tage zum Ausruhen und Genießen hat und die Bevölkerung ein wenig besser kennenlernen kann, denn seit über 13.000 Jahren war die Baikalregion schon bevölkert. Auch lohnt es sich dort, die Schamanka, einen als heilig verehrten Kalkmarmorfelsen anzuschauen.
Eine schöne Abenteuerreise ist die zweiwöchige Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn, die bis Irkutsk führt, wo dann der Hundehalter der Huskys die Gäste empfängt, die anschließend Hundeschlittentouren über den zugeschneiten Baikal unternehmen. Landschaftliche Schönheit, unberührte Natur und die große Weite Sibiriens werden den Besucher reich beschenkt nach Hause entlassen.